Diözesanverband der Eucharistischen Ehrengarden im Bistum Essen

 

EUCHARISTISCHE EHRENGARDEN IM BISTUM ESSEN

 

Einige grundsätzliche Überlegungen

  

Einleitung

 

 

Eucharistische Ehrengarden im Bistum Essen sind Gemeinschaften von Männern, die öffentlich ihre gemeinsame Haltung zu Christus und seiner Kirche bekennen. Sie fühlen sich den Traditionen verpflichtet, die auf die Gründungsväter im Jahre 1884 zurückgehen. Ihre tiefste Verpflichtung sehen sie allerdings darin, Christus, den Herrn der Kirche, in der hl. Eucharistie zu verehren und sich öffentlich zu diesem Geheimnis des Glaubens zu bekennen. Uniform und Zeremoniell dienen dem Ausdruck der gemeinsamen Überzeugung und Haltung und sollen daher nicht von modischen Erscheinungen bestimmt werden. Dem gemeinsamen Bekenntnis entspricht die innere Verpflichtung, auch in den persönlichen Lebensbereichen dieselbe Haltung an den Tag zu legen.

 

Das Bekenntnis zu Christus und zur Kirche kann in unseren Tagen durchaus Nachteile für den einzelnen bringen; dennoch wird der Ehrengardist sich nicht von diesem Bekenntnis abbringen lassen. Papst Pius XII hat einmal gesagt: "Die größte Gefahr unserer Zeit ist die Müdigkeit der Guten. Einer solchen Müdigkeit will kein Ehrengardist bezichtigt werden. Er folgt dem Leitwort der Eucharistischen Ehrengarden -Mit Gott - Für Gott!"

 

 

Die Eucharistischen Ehrengarden - Unser Verbandsverständnis

 

 

Die Katholische Kirche in Deutschland ist besonders gekennzeichnet durch die vielen Verbände von Laien. Sie bietet damit eine Voraussetzung, an die der Hl. Vater anknüpfen kam wem er im apostolischen Schreiben "CHRISTIFIDELES LAICI für alle in der Kirche fordert, im Übergang zum dritten Jahrtausend an der Sendung der Kirche teilzunehmen "lebendig, verantwortlich und bewußt" (Nr. 3) -Die Laien haben lebendigen und verantwortlichen Anteil, weil sie berufen sind durch ihren Dienst, der den Werten und Rechten des Menschen sowie der Gesellschaft gilt, das Evangelium zu verkünden und zu verwirklichen". (Nr. 64)

 

Das definiert auch für die Zukunft das Verständnis von katholischen Verbänden: sie wollen Kirche in der Gesellschaft sein und sie wollen die Gesellschaft in der Kirche vertreten. Dabei arbeiten sie eng zusammen mit den Trägem der apostolischen Vollmachten, den Bischöfen und ihren geistlichen Mitarbeitern. Verbände waren und sind immer ein wichtiger Ort für gelebten Glauben und Einübung christlichen Lebens. Sie vertreten ein klares Christus-, Kirchen- und Menschenbild: der Mensch ist als Gottes Ebenbild geschaffen, durch Jesus Christus erlöst und geheiligt, zugleich ein Sünder, aber berufen zur ewigen Anschauung Gottes. Dabei ist jeder Mensch einmalig, was ihn für die Gemeinschaft der Kirche, seines Verbandes und der Gesellschaft so wertvoll macht.

 

 

Das Besondere der Eucharistischen Ehrengarden

 

 

Das Besondere und Unterscheidende der Ehrengarden wird sehr gut in der Gründungsurkunde des Diözesanverbandes zum Ausdruck gebracht: wo "...Männer sich zu einer Gemeinschaft zusammenschlossen, die den einzigen Zweck haben sollte, der Verehrung des Herrn im Allerheiligsten Sakramente innerhalb des Gotteshauses und draußen bei eucharistischen Prozessionen durch eine dem Manne angepaßte Haltung in uniformierter Kleidung sichtbaren Ausdruck zu geben .... So wie damals und auch die folgenden Jahrzehnte hindurch das Äußere nur Ausdruck der inneren, tiefreligiösen, frommen, katholischen Gesinnung war..."

 

 

Ehrengarde will Gemeinschaft des Gebetes sein

 

 

Das Gebet entfaltet den Menschen in seinem ganzen Bewußtsein. Gebet will Gottes Willen, will Christi Wort in diese Welt hereinholen. So ist Gebet immer auch Herausforderung an unser Handein. Christi sakramentale Gegenwart unter uns muß dabei Mittelpunkt unserer Frömmigkeit sein. Besonderen Ausdruck findet dies in der hl. Stunde, in der wir um geistliche Berufe beten. Diese Stunde kann für den einzelnen Gardisten zugleich der Glaubensbildung und Persönlichkeitsvertiefung dienen. Und das Knien vor Gott macht unabhängig von den verschiedenen Göttern unserer Zeit.

 

 

Ehrengarde will Kernzelle der Ehrfurcht sein.

 

 

Wie können wir anbeten ohne die dein Sakrament gebührende Ehrfurcht? Daß die Ehre Jesu in seiner Gegenwart unter uns nicht verletzt wird, ist uns Anliegen. Die Praxis muß diese Haltung erweisen. Das Innen muß das Außen prägen. Unsere Innerlichkeit darf und soll Äußerlichkeit gewinnen. --gs muß uns ein Anliegen sein, daß unser äußeres Erscheinungsbild diese Haltung der anbetenden Ehrfurcht ausdrückt. Ausdrucksformen können vielfältig sein, es gibt nicht nur eine. (Sie müssen in der Gemeinschaft gewogen und festgelegt werden. Dann sind sie aber auch von allen zu erfüllen.) Ehrfurcht erfordert aber auch, daß wir das Gut, vor dem wir selbst so große Ehrfurcht haben, gegenüber allen Störungen schützen. Zur Ehrfurcht gehört so das Schutz- und Wächteramt des Ehrengardisten.

 

 
 

Ehrengarde will Haltung und Gesinnung öffentlich zeigen

 

 

Unser Schutz- und Wächteramt drückt sich in Zeichen und Symbolen aus. Dazu gehören Uniform, Fahnen, Reglement für Antreten und Marschieren. Symbole sind sichtbare Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit. Sie drücken Gemeinschaft aus und bezeugen Gemeinschaft vor der Öffentlichkeit. Bei uns darf aber nichts ohne den Charakter der Gottbezogenheit sein. Als Eucharistische Ehrengarden stehen wir immer in Verbindung zu einer der zentralsten Wirklichkeiten unseres Glaubens.

 

 

Eine neue notwendige Aufgabe stellt sich dem einzelnen Ehrengardisten: Schutz und Wache für den Herrn im Tabernakel durch gelegentlichen Besuch der Kirche, die sonst wegen mangelnder Ehrfurcht mancher Zeitgenossen geschlossen werden müßte. So können wir ein neues Ja zur Kirche und zum eucharistischen Heiland sagen.

 

 

Eucharistische Ehrengarden und Tradition

 

 

Unsere Tradition steht auf festem Grund:

 

- auf unserem überlieferten Glauben,

 

- auf der Eucharistie,

 

- auf dem Evangelium

 

Somit haben wir Zugang zu einem unerschöpflichen Speicher des Glaubens, Fühlens und Wissens. Wir wissen, daß Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der Kirche eine rächt manipulierbare Verbindung haben; Überlieferung und Erneuerung gehören in der Kirche zusammen.

 

Nirgendwo ist Tradition bedeutungsvoller, ja für die menschliche Entwicklung unabdingbar, als in der Feier der Sakramente und des jährlichen Festkreises. Die so überlieferten Feiern lassen uns immer wieder die Gemeinsamkeit des Glaubens erleben und bestärken uns darin, so daß wir - wie Petrus - auf die Frage Jesu "Wollt nicht auch ihr gehen?" antworten können: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!"

 

 

Das Erscheinungsbild

 

 

Die Eucharistische Ehrengarde ist - wie der Name Garde sagt - eine Art Leibwache, eine Elitetruppe. Zur Gründerzeit wählte sie als Uniform den Gehrock, der damals das Festkleid des Bürgen war, den Zweispitz mit Federbusch, Fangschnüre, Schulterklappen und Offiziersdegen. Dazu trägt der Gardist den Gardestern mit unserm Leitwort "Mit Gott! Für Gott!"

 

Die innere Einstellung, die mutige Zeugenschaft im Glauben, ihre Huldigung für den eucharistischen Christus werden so dokumentiert.

 

Die Männer der Eucharistischen Ehrengarden sind wachsam, stehen gerade, gehen in eine Richtung. Körper und Geist stimmen so im Glauben vollendet überein. Glauben und Haltung versetzen die Ehrengarden in die Lage, die Eucharistie in der Öffentlichkeit angemessen zu bekennen und zu verherrlichen.

 

Diese erkennbare Lebensform kann uns von außen nach innen aufbauen. Die Form trägt zur Gestaltung der Gefühle und der Haltung bei. Ein Teil der Aussage unserer Formen ist die Bezeugung von Ehrfurcht. Dabei ist das äußere Bild oft gläubiger als ich selbst. Aber es ist auch mein Ausdruck des Glaubens. Und wenn diese Form meinem persönlichen Glauben voraus ist, darin gibt sie mir Kraft, stärkt mein Fühlen und läßt mich meinen Glauben wieder neu einüben, stärkt meinen Glauben so, daß schließlich Form und innere Haltung übereinstimmen.

 

 

Familie und Ehrengarde

 

 

Die Familie

 

Die Kirche als ganze ist als wanderndes Gottesvolk Weggemeinschaft des Glaubens. Weggemeinschaften sollen Lernorte sein, in denen der Zusammenhang von Glaube und Loben vermittelt und eingeübt werden kann. Die kleinste Weggemeinschaft ist die Familie (das Konzil nennt sie "ecclesiola" = Kirche im kleinen). Sie hat für die personale Entfaltung des Menschen eine unersetzliche Bedeutung. Die Eltern sind in besonderer Weise befähigt, den Kindern ein Grundvertrauen zu schenken, das - wie die Erfahrung zeigt - für ihre spätem Entwicklung entscheidende Bedeutung hat. Papst Johannes Paul II bezeichnet Ehe und Familie als "Keimzellen zur Erneuerung der Gesellschaft, Kraftquellen, aus denen das Leben menschlicher wird.»

 

Doch in vielen modernen Familien gelten religiöse Anschauungen als absolute Privatsache, über die man nicht spricht. Miteinander beten ist oft fast tabu. Aber es gibt auch durchtragende Familientraditionen des gemeinsamen Gebetes und Sakramentenempfanges.

 

 

Die Familie für die Ehrengarde

 

 

Der Mann kann sich für die Männergemeinschaft Ehrengarde nur einbringen, wenn er die volle Unterstützung der Weggemeinschaft Familie erfährt. Die christlichen Grundtugenden Glaube, Hoffnung und Liebe können nicht isoliert in der Familie eingeübt werden. Der einzelne Mensch und die einzelne Familie sind angewiesen auf die Gemeinschaft der Glaubenden, auf die Kirche, und auch auf die Weggemeinschaft Ehrengarde. Gerade beim Trend zur Kleinfamilie muß die Familie sich heute darum bemühen, gute Beziehungen innerhalb der Verwandtschaft, im Freundeskreis, im Rahmen der Gemeinde und Vereine zu pflegen, um so etwas von dieser ursprünglichen Universalität menschlicher Beziehungen zu sichern. Andernfalls könnten Elemente ausfallen, die zu Stärkung der eigenen Person in den einzelnen Entwicklungsstufen notwendig sind.

 

 

Die Ehrengarde für die Familie

 

 

Die Ehrengarde kann dazu beitragen, daß diese Vielfalt und Lebendigkeit eines vertrauensvollen Lebens miteinander jedem möglich wird. Der Wert der Ehrengarde liegt vor allem in der generationsübergreifenden Gemeinschaft im Dienst für den eucharistischen Herrn. Sie bietet Raum für qualifizierte Gespräche, auch über Glaubensfragen; dies ist besonders wertvoll, wenn die Familie, wenn die Kinder in das Gemeinschaftsleben der Garde einbezogen werden. Die Ehrengarde wird dann für die Familie ein Ort des religiösen Erlebens. Umgekehrt fällt es leichter, den hier geübten Dialog in die Familie hineinzutragen.

 

Könnte daher ein Grundsatz recht lauten - Im Antreten eine Männergemeinschaft - im Vereinsleben eine Familiengemeinschaft"?

 

 

Praktische Möglichkeiten

 

 

Ehrengarde und Familie lassen sich leicht verbinden im Rahmen des Vereinslebens:

 

Feste der Garde, Feste einzelner Mitglieder

 

Glaubenserfahrung durch Einkehrtage, Wallfahrten, hl. Stunde

 

Mitwirken in Gremien und bei Veranstaltungen der Pfarrgemeinde

 

Teilnahme mit Familienangehörigen an (Bildungs-) Veranstaltungen des Verbandes

 

Texte von H. Biermann, Dr. L. Zirkelbach, E. Traphan H. Reinders jr., Redaktion O. Vieth

 

 

 

Quelle:  http://www.eucharistische-ehrengarde.de/text.htm